26. Dezember 2019
26. Dezember 2019
sam

Gottes Werk und Teufels Beitrag

Hallo lesende Person. Vermutlich nähern wir uns irgendeinem x-beliebigen christlichen Feiertag und ich habe weder Zeit noch Lust mir etwas zu überlegen. Deshalb werde ich irgendeinen möglichst überpolemischen Artikel aus dem digitalen Abfallhaufen gezerrt, entstaubt und hier ungeprüft hochgeladen haben. Es kann gut sein, dass er in diesem Abfallhaufen gelandet ist, weil er mir zu heikel war... oder zu unstrukturiert und ziellos. Oder beides. Wer weiß das schon?

Ich beginne, um den Schein vorerst zu wahren, versöhnlich. Dies ist weder der Versuch den christlichen Glauben anzugreifen noch der, ihn zu untermauern, sondern lediglich eine einseitige Breitseite gegen die institutionalisierte Religion; gegen Dogmen, Verdammung und Bevormundung und gegen all das, was die Lehre des Namensgebers, die (der Sage nach) überwiegend auf Nächstenliebe und Toleranz aufbaute, zu einer menschenverachtenden, brandschatzenden und kindesmissbrauchenden Todesmaschinerie transformierte.

Der letzte Satz wirkte nun doch arg subjektiv? Mag sein. Und das ist völlig in Ordnung - als ob Antisemitismus und Islamophobie jemals objektiv ausgelebt worden seien. Wo sich doch die Frage stellt, wie viele bin Ladens die „islamische Welt“ (was auch immer das sein soll) braucht, um den Leichenhighscore der römisch-katholischen Kirche zu knacken. Die 2000 Opfer des 11. Septembers hat die Inquisition ja wohl mal im Vorbeigehen gemacht - und zwar nicht in einer Millionenmetropole wie New York sondern in einem 4000 Seelen Dorf.

Egal - ich geb’s ja zu; billigster Whataboutism...

Beginnen wir mit dem Beginn des Christentums, dem Christus - Jesus Christus. Was glauben wir über diesen Mann zu wissen? Erstmal, dass er wohl im Jahre 0 unserer Zeitrechnung geboren wurde... oder?

Nun, Bibelforscher sind der Meinung, dass er wohl eher im Jahre 3 nach Christus das diffuse Licht der Erde erblickte. Des Weiteren berichten die Quellen, dass er der Sohn einer Maria war und von ihr und Josef, ihrem Mann aufgezogen wurde. Josef war aber nicht sein Vater, nein, das war Gott selbst, genauer: Jahwe der alttestamentarische Gott der Juden. Maria ihrerseits soll die Schwangerschaft als Jungfrau empfangen haben. Nach dem katholischen Dogma wird die Jungfräulichkeit auch durch die Geburt nicht beeinflusst. Entweder habe ich oder aber ein Haufen knabenliebender alter Männer keine Ahnung von vaginaler Anatomie aber mir scheint das schwer vorstellbar. Das Jesuskind wurde älter, beeindruckte jüdische Gelehrte mit seinem Intellekt, wurde erwachsen und forderte erst das gesamte Judentum heraus, mit seinem Reformprogramm von Nächstenliebe und Selbstverantwortung, übergab dann einem Simon, den er Petrus nannte, die Schlüssel zum Paradies, wurde (von Römern) totgefoltert, stand wieder auf, sagte „ihr kriegt mich nicht“ und verschwand. 200 Jahre später verwalteten Römer (die ihn zuvor umgebracht hatten) seine Lehre, schoben den Juden den Mord in die Schuhe und schon ein paar Jahre später begannen sie das jüdische Volk - dessen Erlöser Jesus doch angeblich war - in seinem Namen zu verfolgen.

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Alles gut? Nach der jüdischen Tradition des Opferlammes, wären wir dank dieses Kollegen aus dem Schneider - aber gilt der überhaupt für Nichtjuden?
Quelle: Michael Gaida auf Pixabay

Soviel dazu.

Die christliche Lehre, egal welche konfessionelle Strömung im Detail, ist sich einig - was nicht von Gott ist, ist des Teufels hinterhältiges Werk. Die Lehre vom absoluten Guten und dem absoluten Bösen birgt keinen Platz für Graustufen und Schattierungen. Wenn sich also irgendwo etwas Gottloses offenbart, dann ist es faktisch der Sieg des Antagonisten. Wenden wir diese scharfkantige Schablone der Intoleranz doch mal auf ihre Urheber an und kommen zu einem (zugegeben recht polemischen) Schluss:

Ich weiß noch nicht wann, wie und wo aber irgendwann muss die Kirche als solches böse geworden sein, denn sie beginnt ernsthaft Gottes Werk zu boykottieren und - nun ja - Teufels Beitrag zu leisten und zwar viel besser, als es ihr ausgedachter (und zuweilen verdächtig jüdisch anmutender) Teufel überhaupt könnte. Versuchen wir doch mal eine stringente Logikkette mit der Prämisse aufzubauen, dass es tatsächlich ein rauschebärtigen alten Mann gäbe, der über Wolken sitzt und uns erschaffen hat. Wenn der Mensch das Geschöpf Gottes ist und Gott perfekt, also das höchste Geschöpf ist, und Gott den Menschen liebt, dann kann der Mensch kein schlechtes Ding sein. Wenn wir vom christlichen Gottesbegriff ausgehen, dann kann eigentlich nur einem daran gelegen sein, den Menschen mieszumachen: dem Bösewicht - Satan.

Doch zurück; inwiefern macht die Kirche Gottes Schöpfung mies? Indem sie sagt, dass jeder Mensch sündig ist, weil alles, was uns als Menschen ausmacht, schlecht ist. Dabei packt sie uns bei unseren Urtrieben, also nicht nur menschlichen Eigenschaften, sondern den Eigenschaften, die allen Geschöpfen Gottes gemein sind. Als da wären Ernährung durch Fastenzeiten und Fleischverbote, der gegebene Körper und dessen sich ständig regenerierende Unreinheit durch Verhüllungspflicht und rituelle Waschungen und die Sexualität durch Jungfrauengeburtsmärchen und Verteufelung des Geschlechtsaktes, sowie dem völligen Sexverbot für Geistliche. Gerade dieser letzte Punkt zeigt doch schon für sich, dass die Kirche Gottes Schöpfung bewusst boykottiert. Nicht umsonst werden Gott ganz am Anfang der Bibel (Genesis 1.22) die Worte: „seid fruchtbar und mehret euch“ in den transzendenten Mund gelegt. Wieso also darf man nur dann in gehobener Stellung für Gott arbeiten, wenn man seinem einzigen direkten Befehl derart plakativ zuwider handelt? Nun mag man behaupten, und genau das tut die Kirche, dass es der Konzentration auf die Arbeit als Geistlicher dienlich sei, sich nicht von Weibern ablenken zu lassen. Klingt griffig und bedient das menschliche Bedürfnis nach griffigen Erklärungen. Immerhin weiß jeder (Katholik), dass die Weiber zu nichts taugen. Nicht umsonst sind ihnen gehobene Stellungen in der Kirche unzugänglich. Es ist aber, wenn man sich die beinahe anstrengende Mühe macht hinter die Griffigkeit zu sehen, vollständiger Schwachsinn. Wie soll denn bitte ein Lebewesen, das von seinen Grundbedürfnissen abgehalten wird, sich auf irgendetwas konzentrieren? Sind hungrige Menschen konzentriert? Sind durstige Menschen konzentriert? Eher nicht. Es zeigt sich ganz im Gegenteil, dass Menschen, denen man den Sex verbietet, dazu neigen Kinder zu missbrauchen. Mag Gott wohl Menschen, die Kinder missbrauchen? Ich hoffe nicht. Mag der Teufel Menschen, die Kinder missbrauchen? Fragen über Fragen. Die Kirche schützt die Schänder in ihren eigenen Reihen. Missbrauchte Kinder werden immerhin astreine Katholiken: sie hassen ihren Körper, hassen Sex und haben gerne mal Essstörungen. Und natürlich bringen sie den Eskapismus mit, der für die stumpfe Gutgläubigkeit an eine kindliche Märchenwelt, wie dem Paradies, vonnöten ist. Zuletzt greift dann eine herrliche kleine Eigenart der menschlichen Psyche - was Hänschen widerfährt gibt Hans gerne weiter. Das tollste an missbrauchten Kindern ist von daher, dass sie als erwachsene Katholiken im besten Fall auch wieder Kinder misshandeln und die altehrwürdige Tradition der Kirche so fortsetzen.

Der nächste Angriff der Kirche konzentriert sich dann präzise auf den Menschen als solchen. Es ist der Intellekt, die Kreativität, die Fähigkeit sich eine Meinung zu bilden und sich selbst dann kritisch zu hinterfragen. Es ist der Fortschrittsdrang, der Entwicklungswunsch, das Bedürfnis, sowohl als Individuum, als auch als Gemeinschaft über sich hinauszuwachsen. Es ist jener Punkt, der den Menschen zu einem Geschöpf „nach Gottes Ebenbild“ (Gen.1.27) macht. Es stellt sich also ernsthaft die Frage ob ein Gott, der uns so geschaffen hat, wie wir nunmal sind, es wirklich gutheißt, wenn Menschen sich Bücher und Gesetze ausdenken und sie als Gottes Wort und Gottes Willen verkaufen, obwohl sie sich damit nicht nur anmaßen Gottes Willen definieren zu können, sondern auch den Fortschritt und die Entwicklung des Menschen nachhaltig behindern.

Ich bin mir sehr sicher, dass das nicht im Sinne des Erfinders ist.

Wo könnten wir heute ohne die Sabotage durch die Kirche stehen? Wo wäre die Wissenschaft, wenn die Kirche Vertrauen in das Gehirn, welches Gott uns immerhin gab, gehabt und nicht die Wissenschaften unterdrückt hätte? Wissenschaftler wären heute keine Atheisten, sondern würden in gendergemischten Klöstern Durchbrüche in der Quantentechnologie erzielen. Die Bibel wäre längst um zwei Testamente erweitert worden und die Bücher darin trügen unter anderem Namen wie Darwin, Galilei, Newton oder Hawking. Wieviele Kriege hätten vermieden werden können, wenn die kirchlichen Oberen die Liebe zwischen den Völkern höher bewertet hätten, als die Jahrtausende alten Sagen toter Wüstennomaden? Unter der Prämisse, dass die Kirche sich als Gottes Gegenspieler versteht ist das alles absolut nachvollziehbar. Auch, dass ihr die Eigenschaften eines freien Geistes der größte Dorn im Auge sind. Insofern ist kaum verwunderlich, was sich nun als Pointe am verhangenen Horizont abzeichnet - es ist überhaupt kein Problem, dass sich die kirchliche Dogmatik träumerisch im Kielwasser der Realität herumtreibt. Der wahrhaft Gläubige ist bereit, den gesunden Menschenverstand mit einer mentalen Pirouette zu umgehen, die Erde für eine flache Scheibe im Mittelpunkt des Universums zu halten und mit einem halbtot gezüchteten Mops auf dem Schoß zu predigen, dass es nichts gäbe, was Gott nicht in seiner endgültigen Vollständigkeit genau so erschaffen hätte, weswegen die Evolution völliger Humbug sei. Weisse Bescheid...

Egal wie die Geschichte auch aussehen mag, die Kirche hat gewonnen. Und zwar richtig. Natürlich haben mehrere Spaltungen stattgefunden. Sie wurden von der Kirche verfolgt und die Spalter verdammt. Diese beantworteten das wiederum mit Gegenverdammung und bezeichneten und bezeichnen teilweise noch heute den Papst als Antichristen und dennoch hat sich unter der Oberfläche nichts geändert. Immer noch hat die Kirche das Werkzeug der Unterdrückung fest in den Strukturen der Abweichler verankert. Ich rede natürlich immer noch von der Bibel. Ein Buch, das nachweislich bewusst geschrieben und editiert wurde, um die vielen Glaubensströmungen des Christentums, die die Lehre des Christus nicht zwangsläufig als Aufruf zu Ausbeutung, Machtanhäufung- und missbrauch, Unterdrückung und Kindersex verstanden, mundtot zu machen und unter das Dach der neuen alten Macht in Rom zu zwingen. So folgen sie alle, von den fundamentalistischen Evangelikalen in den USA bis zu den orthodoxen Christen in Russland dem Diktum der römisch katholischen Kirche. Sie alle betiteln die Bibel als das Wort Gottes, obwohl Gott sie nie offiziell durch irgendein Wunder verifiziert hat und auch in der Bibel nicht unter den Autoren anzutreffen ist, sie leugnen die Evolution, glauben an Gut und Böse, verdammen alle, die irgendwie anders sind und müssen auf diesem Wege die katholischen Dogmen, die sie eigentlich ablehnen, auf kurz oder lang akzeptieren und annehmen.

Ich will sicherlich nicht den Glauben an Gott verurteilen. Ganz im Gegenteil - ich selbst sehe keinen Grund an der Existenz einer kosmischen Entität zu zweifeln. Ebenso wenig wie einen, daran zu glauben. Ich bin aber auch überzeugt, dass wir unser Leben - im Falle ihrer Existenz - nach dem Willen dieser Entität führen sollen, der sich relativ unmissverständlich aus den Möglichkeiten, die diese Entität uns gab, ableiten lässt und nicht nach dem Willen despotischer alter Männer.

Wie sollen wir denn bitte Gottes Willen ableiten? Indem man den Verstand einsetzt. Immerhin ist er ein Geschenk Gottes und eben dieses Geschenk befähigt uns zum logischen Denken. Testen wir das mal. Darf man Menschen töten? Die gottgegebene Logik sagt nein - die Kirche tat es exzessiv. Darf man mit Menschen gegen ihren Willen Sex haben? Die gottgegebene Logik sagt nein - die Kirche tat (und tut) es exzessiv. Darf man Wein trinken und Wasser predigen? Die gottgegebene Logik sagt nein - die Kirche tat es exzessiv. Darf man die Menschheit in ihrer Entwicklung behindern und die Entwickler verdammen? Die gottgegebene Logik sagt nein - die Kirche tat es exzessiv. Und dann überdenkt man nochmal die Grundprämisse: alles, was nicht eindeutig Gottes Werk ist, ist vom Teufel.

Abschließend sei gesagt, dass hier Schluss ist.

Schmutz für die Welt✊🏽

(2014)

Weiterer Schmutz 

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