1. Dezember 2019
1. Dezember 2019
sam

Compact und die Negerlein

Hallo Weltnetz, ich, ein Schmutzfink, habe gelesen.

Es folgt einführend eine kleine Erläuterung zum deutschen Presserecht. Nach diesem hat jeder Verleger die Chance, sein Werk zu publizieren. Das ist schon allein wegen Grundgesetz Artikel 5, also Meinungsfreiheit und so, gesetzlich verankert und unumgänglich. 2007 bekräftigte die Bundesregierung noch einmal, dass Printmedien „so etwas wie die Schrittmacher der Meinungsbildung und damit entscheidende Voraussetzung für eine demokratische Streit- und Debattenkultur“ seien. „Wesentlicher Erfolgsfaktor der Aufgabenerfüllung der Printmedien sei insbesondere ein effektives Vertriebssystem.“

Dies wird durch den „Grosso“ sichergestellt. Ein deutschlandweites System an Grosshändlern, für deren reibungslosen Betriebsablauf sogar das Kartellrecht ein Stück weit ausgesetzt wurde.

Diese Grossisten verpflichten sich nun in ihrer Gemeinsamen Erklärung zu Neutralität „auf Grosso-Ebene, d.h. Gleichbehandlung aller Presseprodukte bzw. Verlage. Exklusivitätsvereinbarungen zugunsten einzelner Presseprodukte oder gar Verlage sind ausgeschlossen.“ Sie verpflichten sich also freiwillig aber verbindlich dazu, dass Erstauflagen gleichmäßig verteilt werden und in Zeitschriftenläden liegt das dann aus. Damit sich wirklich jeder Händler daran beteiligt und nicht nur jene mit hinreichend Kapital und Risikobereitschaft um ein neues Produkt überhaupt testen zu können, müssen Händler nur die Zeitschriften wirklich beim Verlag bezahlen, die sie selbst auch weiterverkauft haben. Der Rest wird zurückgeschickt (Remission).

Dafür sind die Händler aber dann auch verpflichtet die Druckerzeugnisse, die ihnen vom Grossisten zugeteilt werden auch wirklich auszugeben. Natürlich können die Betreiber der Lottokaschemme mit Zeitschriftenecke das „Fensterbilder malen“ Magazin umgehend zurückschicken, weil sie weder den Platz noch die Kundschaft dafür haben. Aber gerade Informationen und Beiträge zur politischen Willensbildung müssen nach Möglichkeit zugänglich gemacht werden.

Wenn ich also beschlösse, jeden Morgen WELT und BILD Magazin umgehend zurückzuschicken, weil ich die Springerpresse für hetzerischen und demokratiefeindlichen Kackscheiß halte, dann würde mich der zuständige Grossist erst warnen und dann die Belieferung mit Zeitschriften im Zweifel vollständig einstellen. In diesem Zusammenhang erklärt es sich, dass man in Einzelfällen dann eher sonderliche Druckerzeugnisse in den Händen hält und eines der sonderlichsten ist sicherlich die COMPACT.

Über sowas zu stolpern liegt nicht zwangsläufig daran, dass die Kioskbetreiber rechtsnationale Verschwörungstheoretiker sind, sondern zuvorderst daran, dass sie den grundgesetzlich verankerten Auftrag zur Meinungs-, speziell der Pressefreiheit, wahrnehmen.

So weit, so gut.

Wer’s nicht kennt; die COMPACT - Untertitel: Magazin für Souveränität - gibt sich als Alternativmedium zur Systempresse aus und changiert, aufgemacht wie eine Art Anti-Spiegel, zwischen selbsternanntem Kampfblatt der AfD, journalistischem Arm des ganzen politically incorrect Sumpfes und sachlicher Berichterstattung von und für die Neue Rechte. Der Chefredakteur, Jürgen Elsässer, umgibt sich in der Tradition Horst Mahlers mit dem üblichen Nimbus des geläuterten Ex-Linken, der endlich einmal die Wahrheit sagen dürfen wollte und darüber vom Glauben an die Links-Grüne Ideologie abfiel. Das Selbstverständnis der Redaktion liest sich laut Website folgendermaßen:

„Lesen, was andere nicht schreiben dürfen. Für alle, die Mut zur Wahrheit haben, ist COMPACT das scharfe Schwert gegen die Propaganda des Imperiums: Eine Waffe namens Wissen, geschmiedet aus Erz wirtschaftlicher und geistiger Unabhängigkeit. Monat für Monat neu, kompetent und souverän.“

Ja, das klingt gut - wirft aber Fragen auf:

Was andere nicht schreiben dürfen...

Hä!?

Was wer nicht schreiben darf? Und warum nicht? Gibt es ein geheimes Konglomerat von Entscheidern, was geschrieben werden darf und was nicht? Und wenn ja - warum dürft ihr es dann? Habt ihr einen Deal mit denen? Ein von irgendeiner Bruderschaft genehmigtes Zertifikat, welches euch als einzigem Medium gestattet zu schreiben, was ihr wollt? Wärt ihr damit nicht lediglich ein Teil von denen? Es geht mir nicht auf. Und dann auch noch gegen die Propaganda des Imperiums? Das Imperium? Das Imperium, das mich als Zeitschriftenfachhändler zwingt, eure Wahrheit, die sonst niemand schreiben darf, der Bevölkerung zugänglich zu machen?

Ganz ehrlich? Ich verstehe euer verfluchtes Problem nicht...

Darum soll es aber auch gar nicht gehen. Es gibt genug Menschen, die sich mit der weinerlichen Opferrolle der Neurechten auseinandersetzen. Überhaupt soll es nicht darum gehen, irgendwas mit irgendwas aufzurechnen oder die „Fakten“ der einen Seite mit den „Fakten“ der anderen Seite zu verrechnen. Davon hat niemand was, denn wie hat schon Homer Simpson mit seinem Hang zu prophetischer Erleuchtung den heutigen politischen Diskurs vorgezeichnet?: „Facts are meaningless, they can be used to prove everything.“ (ich weiß nicht in welcher Folge - ich habe eine Boxershort auf der er damit zitiert wird (oder im Stil des Postillon: Mann, der COMPACT unseriös findet, zitiert von Unterhosen))

Nein, es soll um die Benutzung des Klumpen Fleisches zwischen den Ohren gehen. Also schaltet ihn ein - es geht los.

(Es geht um die März-Ausgabe von 2019, die hier beworben und zum Kauf angeboten wird. Wer meine Aussagen also überprüfen möge, der tue sich keinen Zwang an.)

Inhaltlich bietet sich erstmal wenig überraschendes. Der Tod von Rudi Assauer wird einführend genutzt um in Gedenken an einen der letzten richtigen Männer gegen „#MeToo und Gillette-Softies“ auszuteilen. Bereits jetzt wird klar, welche Marschrichtung hier ebenso kompetent, wie souverän eingeschlagen wird.

Im Titelthema „Kein Volk. Kein Recht. Kein Diesel. - Die Öko-Diktatur der Grünen“ wird (Kenner der goebbelschen Propaganda horchen auf) erstmal der gute alte Morgenthau-Plan ausgegraben. Der „Jude Morgenthau“, wie er in der NS Propaganda genannt wurde, legte ´44 zur Deutschlandfrage nach dem Sieg der Alliierten ein Konzept vor, nach dem Deutschland seiner Schwerindustrie beraubt und in einen Agrarstaat mit ländlichem Charakter umgewandelt werden sollte. Das Konzept wurde auf diversen Konferenzen besprochen und noch vor Kriegsende verworfen, bevor man schlussendlich das Gegenkonzept des Marshall-Plans umsetzte, hatte also zu keinem Zeitpunkt realpolitische Relevanz.

Titelthema der Märzausgabe ‘19. Quelle: Compact

Goebbels jedoch gereichte er zum zugkräftigsten Narrativ zum Endkampf an der Heimatfront, ließ er sich doch dahingehend zurechtdrehen, dass die deutsche Bevölkerung zum Arbeitssklaven der westlichen Welt gemacht werden sollte - kurz; dass ein sinnloser Tod in einer sinnlosen Endschlacht immer noch besser sei, als das zu erwartende Sklavendasein unter der Diktatur der Sieger. Dass Morgenthau selbst ein Romantiker war, dem ein Bauernstaat mehr als Utopie, denn als Strafe schien und dass eben jene Utopie eines ländlichen Bauernstaates exakt jenem Bild entspricht, welches die heimatschützenden Patrioten heutzutage selbst als verlorenes Ideal hochhalten, wird hierbei selbstredend unter den Tisch fallen gelassen. Ebenso, dass Marx und Engels die deutsche Bauernschaft als Hauptproblem zur Errichtung des Kommunismus in Deutschland erachteten und sie prophylaktisch schonmal auf die Liste potenzieller Klassenfeinde setzten.

Bis heute ist dieser „Plan“ ein wichtiger Bestandteil NS inspirierter Ideologien und fungiert als Beleg für die grundsätzliche Absicht aller Juden, alle Deutschen zu versklaven - ein Thema, was Elsässer (zur Ehrenrettung) zu keinem Zeitpunkt auch nur anschneidet. Das braucht er natürlich auch nicht; seine Leserschaft weiß ja wie der Hase läuft. Dass er davon ausgeht, erschließt sich schon aus den einleitenden Worten: „Auf frappante Weise ähneln die aktuellen Entwicklungen einem alten Plan.“

Korrekt wird darauf hingewiesen, dass die Welt sich mit dem Untergang der Sowjetunion verändert hat und aus Verbündeten gegen den Ostblock Konkurrenten auf dem Weltmarkt wurden. Dass das Fallenlassen durch die USA in allen ihren Satelliten an der roten Front eine Welle des Extremismus ausgelöst hat, weiß man natürlich auch ohne ihn. Ob es nun der Zustand Somalias und Boko Haram in Afrika, extremistische Regimes in Südamerika, ISIS und Taliban im Nahen Osten oder eben Pegida und AfD in Deutschland sind, tut hierbei nichts zur Sache. Darum geht es dem wahrheitsliebenden Chefredakteur ja auch gar nicht, sondern um Fanservice für die Klientel.

Diese bekommt er nur, wenn er das folgende als „offenes Geheimnis“ ankündigt, wobei das „offen“ hier wohl der breiten Rezitation durch Goebbels, Exilnazis, einem Buch Morgenthaus selbst, einem Heer von Historikern und einem umfangreichen Wikipedia Eintrag geschuldet ist... naja, egal.

Der Artikel selbst ist - wie sag ich es am Besten? - der Hammer. Von all den Plänen Morgenthaus, wie die Selbstverwaltung Deutschlands, einer möglichst kurzen Besatzungszeit von höchstens 20 Jahren, dem Wiederaufbau, dem Verzicht auf neuerliche Reparationen und so weiter, werden lediglich drei Punkte als „Eckpfeiler“ identifiziert: Demilitarisierung, Denazifizierung und Deindustrialisierung, kurz; die „drei D´s“.

Garniert ist der Text mit grüngefilterten Bildern mit Untertiteln wie „Schöne Grüne Welt: Die neuen Ikonen totalitärer Gesellschaftsexperimente heißen nicht mehr Marx, Engels und Lenin, sondern Habeck, Hofreiter und Roth.“ oder „Heiliger Spargel: Die Windrad-Gigantomanie der grünen Zivilreligion.“.

Dann wird es kurios.

Unter dem mühselig aufgebauten Vorgeschmack der allzu verdächtigen Parallelen zu dem „geheimen“ Plan eines alliierten Juden zum Zwecke der Versklavung Deutschlands, gerahmt durch die grünen Bilder grüner Bosheit, werden also die „aktuellen Entwicklungen“ angegangen.

Die Denazifizierung vollzieht sich laut COMPACT demnach im „Furor eines faktenbefreiten Antifaschismus“, der umso ungehemmter um sich greift, je umfangreicher die Natur vollendet, was die Nürnberger Prozesse einst begannen. Jup; Altnazis sind in der Welt der COMPACT die einzige Bastion gegen faktenbefreiten Antifaschismus. Weisse Bescheid...

Beim zweiten D, Demilitarisierung, wird auf den desolaten Zustand der Bundeswehr eingegangen und lakonisch festgestellt „was Morgenthau nicht schaffte, gelingt Von der Leyen mühelos; die Entwaffnung Deutschlands“. Zudem werde ja auch gerade die Rüstungsindustrie zerschlagen.

Und der dritte Punkt, Deindustrialisierung, führt ins Ruhrgebiet, dessen „vollständige Demontage“ zentrales Element Morgenthaus Plans ist, und die nach der Wiedervereinigung „zügig umgesetzt worden“ ist. Die Folge; während ich hier im dortmunder Westpark sitze, Bier trinke, über dieses schräge Magazin nachdenke, was ich heute auf der Arbeit gelesen habe und sich erste Gedanken in meinem Kopf bilden, die schlussendlich in diesem Text kulminieren, werde ich geradezu erdrückt von jenen „muslimischen Banden“, die bei uns im „Armenhaus Deutschlands“ die No-Go Areas beherrschen. Über die peinliche Unsinnigkeit aus dem Ruhrgebiet so eine Art Integrations-Chemnitz des Westens machen zu wollen, brauche ich mich ebensowenig auszulassen, wie über die Tatsache, dass der Kohleabbau zuletzt nur noch mit staatlichen Zuwendungen zum Schutz der Arbeitsplätze erhalten werden konnte, weil er sich wirtschaftlich schlichtweg nicht mehr rechnet.

Nein, viel spannender ist ja die Frage, wie genau all diese Dinge, die ja in die Regierungszeit einer schwarz-roten Koalition fallen, nun bitte mit den Grünen zusammenhängen. Eine Antwort bleibt der Text sowohl mir als auch meinen Leidensgenossen vom Rest der Leserschaft schuldig.

Bis hierhin wurde ja nur auf eine „frappante Ähnlichkeit“ verwiesen, bzw. an anderer Stelle auf Entwicklungen, die auf „unheimliche Weise“ an diesen Plan erinnern. Ich kann ganz ehrlich sagen, wenn ich Kolumnist in einer politischen Publikation wäre und wenn ich diesen Morgenthau-Plan nicht als Kernelement nationalsozialistischer Propaganda, sondern als das was er ist, nämlich eines von vielen verworfenen Konzepten zur Beantwortung der Deutschlandfrage, kennen würde, hätte ich vermutlich eine diebische Freude daran empfunden, mich selbst an diesen Parallelen abzuarbeiten. Und wenn ich, einmal dabei, einfach ehrlich bleibe, fielen mir noch sehr viel mehr sehr viel bedenklichere Parallelen auf. Ich bin nunmal ein bekennender Freund der pointierten Polemik.

Elsässer jedoch rückt genau jetzt genau davon ab.

Nun widmet er sich nämlich dem Auslöser der ganzen Aufmachung: den Diesel-Fahrverboten - und inszeniert sie mit folgenden Worten als aktive Umsetzung des Morgenthau-Planes, indem er schreibt:

„Die neuerlichen Attacken sollen die verbliebenen Zentren der Wertschöpfung attackieren - die Automobil- und die Energieproduktion.“ Aha. SOLLEN sie das also?

Und das ist nun der Plan des Imperiums gegen dessen Propaganda ihr euch so gallisches Dorf mäßig zur Wehr setzt? Wo ist denn die „frappante Ähnlichkeit“ plötzlich? Die „unheimliche Erinnerung“? Und dieses Imperium sind nun die Grünen? Jene Extremisten, die ihr in einer Reihe mit Marx, Engels und Lenin seht? Abgefahren.

„Schöne Grüne Welt: Die neuen Ikonen totalitärer Gesellschaftsexperimente heißen nicht mehr Marx, Engels und Lenin, sondern Habeck, Hofreiter und Roth.“ Quelle: Compact

Also ich weiß ja nicht ob die COMPACT ein anderes Internet benutzt als ich, aber wenn ich meines verwende um die Website des deutschen Bundestages aufzurufen, dann zeigt es mir diese Partei mit 67 Sitzen als abgeschlagene schwächste Kraft im Bundestag an und nicht unbedingt als Leute, die die Mittel hätten einen über 70 Jahre alten Plan zur Versklavung des deutschen Volkes umzusetzen. Es stimmt ja, dass die Große Koalition mit Kohleausstieg und Fahrverboten grünen Forderungen nachkommt, das tut aber eben diese große Koalition und ganz sicher nicht die Grünen, die ja genau aufgrund solcher Forderungen für weite Teile der Bevölkerung unwählbar sind, was sie ja eben so unbedeutend macht. Demokratie.

Bislang enthält der Artikel also unverändert Entwicklungen unter schwarz-rot. Immer noch keine Spur der grünen Öko-Diktatur. Und wie will der Herr Chefred. das nun lösen? Indem er den Klappentext des Buches „GO! Die Ökodiktatur“ des Schriftstellers Dirk C. Fleck von 1993 in voller Länge zitiert, der sich folgendermaßen liest:

„GO! Die Ökodiktatur“ Buchcover

„Wir schreiben das Jahr 2040. Die Umweltbedingungen auf der Erde haben sich dramatisch verschlechtert. In den ehemaligen westlichen Industrieländern regieren radikale Öko-Räte. Es besteht Reise- und Bauverbot. Privatmedien gibt es nicht mehr, als Informationsquelle dient das Staatsarchiv. Vegetarische Grundnahrungsmittel, Einheitskleidung und Wohnraum stellt der Staat. Geld ist abgeschafft. Jeder Bürger zwischen 18 und 55 ist verpflichtet, seine Arbeitskraft in den ökologischen Neuaufbau zu investieren. Eine verhaltensmanipulierte Armee sorgt für die Einhaltung der zwölf Grundgesetze. In von der Außenwelt abgeschotteten Stadtlagern werden Gesetzesbrecher und Seuchenkranke konzentriert. Gleichzeitig stellt der Staat seinen Bürgern frei, in Meditationskommunen zu leben, wo unter Anleitung spiritueller Lehrer der Versuch unternommen wird, den Menschen mit der Natur zu versöhnen.“

Nun mag der Leser sich fragen: echt? Ein fiktives Werk um die Bosheit der Grünen zu „belegen“?

Jahaaa! Und nicht nur das - es hätte dem ehrenwerten Herrn eine-scharfe-Waffe-namens-Wissen sehr gut zu Gesicht gestanden das Buch zu lesen. Oder zumindest eine Rezension.

Dann würde er nämlich wissen, dass sich im Buch (erneut aus Deutschland) eine „Faschistische Liga“ über die Welt ausgebreitet und sie mit Atomkraftwerken zugepflastert hat bis sich das rächte und der Planet kollabierte. Die folgende Ökodiktatur des Romans ist die einzige Chance, die die Menschheit in dieser Dystopie noch hat um sich wenigstens als Art zu erhalten und somit genau das, was passiert, wenn man die grünen Hysteriker ignoriert um Menschen, wie denen von der AfD, die Umweltpolitik zu überlassen.

Uns das mitzuteilen kann sicher nicht in Elsässers Sinne gelegen haben.

Erst jetzt werden die Grünen an ebendiesem völlig falsch interpretierten Klappentext eines Buches, das ihre Bemühungen unzweifelhaft als Notwendigkeit zur VERMEIDUNG (!!!) dieser Öko-Diktatur beschreibt, gemessen. Und zwar als Partei, die sowohl die Aggressivität als auch das Potenzial mitbrächte diese Diktatur zu errichten. Als Beleg werden, nicht, wie man annehmen mag, „von linksradikalen Eiferern wie Claudia Roth“, sondern ausgerechnet vom „schicken Hoffnungsträger“ Robert Habeck völlig kontextfrei die vier Wörtchen „es gibt kein Volk“ zitiert.

Zuletzt erfolgt die Einräumung einer Mitschuld der Autokonzerne, wobei halbherzig vorgerechnet wird, dass teure Ökokarossen sich viel besser rechnen als billige Dieselkarren, was zwar wahr sein mag, aber der Grundaussage „die neuerlichen Attacken sollen die verbliebenen Zentren der Wertschöpfung attackieren - die Automobil- und die Energieproduktion“ vollständig und in allen Belangen jeden Boden entzieht. Schön blöd.

Und das wars. Das war der große Aufmachertext „Kein Volk. Kein Recht. Kein Diesel. - Die Öko-Diktatur der Grünen“.

So hat diese bösartige Beleidigung jedweden journalistischen Qualitätsanspruches uns also in einer hanebüchenen Indizienkette eingeschworen auf eine nieschige Ökopartei, die als geheime Strippenzieherin einem Imperium vorsteht, welches aktiv dabei ist, einen Geheimplan eines jüdischen Finanzministers zur Versklavung des deutschen Volkes voranzutreiben.

Eigentlich ist der Drops hiermit schon gelutscht. Ich kann mich zurücklehnen und entspannt resümieren, dass eine Gesellschaft, die auf solch einen Mumpitz hereinfällt, gaaaanz andere Probleme hat, als schwierige politische Strömungen, von diesen Leuten also tatsächlich keinerlei Gefahr ausgeht. Treffender: solche Dinge, wie die COMPACT sind geradezu Systemrelevant als Indikator für den Geisteszustand des Wahlvolkes und bei einer Auflage von 85.000 bin ich sogar ganz guter Dinge. Wir haben in den zwei Wochen, die es bei uns auslag, nicht eines der drei gelieferten Exemplare verkauft, obwohl ich darauf bestanden habe, sie nicht zu verstecken sondern thematisch korrekt bei Stern, Spiegel und Focus einzuordnen. Dann haben wir sie zurückgeschickt. Wir sind nunmal eine Lottokaschemme mit Zeitschriftenecke und wenn die neue „Fensterbilder Malen“ kommt, müssen wir unseren beschränkten Platz halt im Zweifel für Qualitätsjournalismus räumen, was bedeutet Focus und COMPACT zu entfernen und die Kreativecke zu vergrößern. Dennoch hatte es mich nun gepackt und ich wollte wissen, wie es weiter geht. Außerdem, und Titel und Titelbild habens ja schon verraten, war es ja ein ganz anderer Artikel, der mich ungleich viel intensiver interessierte, als der Aufmacher, dem ich mich erst in zweiter Instanz widmete. Aber erstmal der verkehrten Reihe nach.

Es wird unter „Gelb schlägt Grün“ über deutsche Gelbwestenproteste gegen Diesel-Fahrverbote im grünregierten Stuttgart berichtet. Als Eyecatcher prangt das Zitat eines „Gelbwestenredners“: „Lieber Ratten im Haus als Grüne im Parlament“ mitten im Text. Nachdem Jürgen Mut-zur-Wahrheit Elsässer es geschickt schafft, sich unter dem Thema Diesel und Gelbwesten in bessere Zeiten zu fabulieren, als Integration noch funktionierte, weil eine starke CDU mit eiserner Hand selbst „anatolische Neubürger“ dazu brachte, den Hausflur zu putzen (na, wenn er meint) und „Hans und Ali“ sich in den „Integrationsmaschinen“ der Autoindustrie ohnehin das Fließband teilten (was ich in der Wortwahl vollumfänglich unterschreiben würde - weswegen ich mich erneut frage, wer „Arbeit zuerst für Deutsche“ fordert und dann eine „gescheiterte Integration“ bejammert), kommt er dann auch zum Thema.

Er erklärt ausgiebig mit ganz vielen Zahlen und Buchstaben und solchen Dingen, warum der ganze Abgaskram Quatsch ist, was wahr sein kann oder falsch - ist mir Latte. Irritiert wird festgestellt, dass die Bewegung auf Distanz zur AfD geht, wo sie sich doch als einzige Partei dem Öko-Wahn eines faktenbefreiten Antifaschismus entgegenstemmt, dem die Fahrverbote entspringen. Zugleich wird unheilschwanger das Abdriften ins Linke Extremistenspektrum befürchtet. Die Linken „Einflüsterer“ stehen bereits bereit. Doch auch die weißen Ritter des Widerstandes sind bereit, die Bewegung in diesem Fall zu übernehmen und in die mütterliche Brust der guten AfD zu legen.

Ein dankbares Thema.

Autoindustrie als Hauptarbeitgeber, Grüne Regierung und ein plötzliches Chaos, was jeder Angemessenheit zu entbehren scheint.

Natürlich passiert hier ganz plötzlich irgendwas ganz komisches und natürlich würde ich gerne wissen, welche korrupten Arschlöcher nach irgendeinem abgefahrenen politischen Coup Millionen mit der Situation der Verunsicherung scheffeln. Da will ich aber richtige Antworten und nicht die, dass das Imperium gerade dabei ist, Deutschland in einen Bauernstaat umzuwandeln. Wenn ich einfach gestrickte Märchen mit bösen Imperatoren und guten Rebellen sehen will, gucke ich Star Wars.

Ach ja; die völlige Abwesenheit von „Kampftruppen der Antifa“ wird zum Vorwand genutzt, nun ja, einmal Kampftruppen der Antifa schreiben zu können. Obgleich „bestürzend“ ist, dass ein Ordner bei einer Rede eines SPD Mannes wohl eng mit der Antifa zusammenhängt.

Wobei ich mich bis heute immer wieder frage, was genau schlecht daran ist, denn; wer gegen Faschismus ist, ist per se Antifaschist. Wer versucht zu kriminalisieren, gegen Faschismus zu sein, ist folglich ein Faschist und Faschismus hat uns eine Generation, viele Kulturdenkmäler sowie weite Teile unseres Staatsgebietes gekostet, uns unter die Knute des US Kapitalismus befördert und zieht bis heute nachwirkende Einschränkungen in unserer Souveränität mit sich. Ich persönlich brauche das nicht nochmal. Einen neuerlichen deutschen Faschismus nach demokratischen Regeln an jeder Front zu bekämpfen, ist in meinen Augen also erste Patriotenpflicht. Das einzelne Gruppen diese Aufgabe als Legitimation zur Gewalt betrachten finde ich dumm und kurzsichtig, ist aber nicht das Problem aller Menschen, die versuchen ihre Heimat vorm Faschismus zu bewahren, sondern vor allem der strafverfolgenden Behörden der Bundesrepublik Deutschland. Gut. Abgehakt.

Es wird ein wenig auf Greta herumgehackt, die ja ohnehin nur von ihren Eltern (selber durch und durch abgebrühte Umweltschützer), die ja zufällig gerade Promotion brauchen, zu Marketingzwecken missbraucht wird. Das arme Mädchen. Ob ich es gut finde ein kleines Mädchen zur globalen Galionsfigur einer moralinsauren Bewegung zu machen? Sicherlich nicht! Aber aus richtigen Gründen und nicht weil Umweltschutz ein verabscheuungswürdiges Verbrechen ist.

Unter „Messbetrüger und andere Autofeinde“ wird hochwissenschaftlich und ultrainvestigativ die Lügenverschwörung der Grünen gegen das Autofahren aufgedeckt, eine supergeheime Lösung zur Einsparung der Umweltbelastungen, die von den Mächtigen unter Verschluss gehalten wird vorgestellt, zusammen mit dem Hinweis, dass der Staatsfunk in Form des ZDFs bereits darüber berichtete (echt jetzt? Die Propaganda des Imperiums hat das selbe wie ihr vor euch berichtet? Diese furchtbaren Lügenwichtel, die...).

Der folgende Abschnitt „Fahrverbote ändern wenig“ ist ein Interview mit einem Prof. Dr. Hans Drexler und tatsächlich gut. Unter dem ganzen Titelthema Grüne Öko-Diktatur ist das der eine Artikel, der die offenkundigen Schwachsinnigkeiten des dämlichem Aktionismus ruhig und entspannt zerlegt. Ich habe zwar keine Ahnung von dem ganzen Kram, da ich Autos einfach kacke finde und keinen Führerschein habe, jedoch werde ich seine Einwände im Hinterkopf behalten, wenn die Heuchler von der reiche Leute Partei in Grün wieder mit dem Weltuntergang anfangen. Den Mann als Träger des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland auszuweisen um seine Fachkenntnis zu untermauern macht natürlich wieder vieles kaputt.

Moooooment!

Die „Heuchler von der reiche Leute Partei in Grün“? Klar. Ich finde die Grünen auch ziemlich kacke und mir ist noch nie eine Situation widerfahren bei der es mich irgendwie in Bedrängnis gebracht hätte, das laut und im Zweifel auch mit einer gewissen Polemik zum Ausdruck zu bringen. Das Kackefinden liegt aber auch weniger daran, dass sie der verlängerte Arm eines volksaustauschenden Juden-Imperialismus sind, sondern in erster Linie daran, dass ich unter anderem, was mich stört, einige politische Entscheidungen kacke finde - weswegen ich sie nicht wähle. Wisst ihr noch? Demokratie.

In einem Artikel über AKK wird die längst genretypische Verbindung zu organisierter Pädophilie hergestellt (kann man wohl schon gehillaryt sagen?) und in Österreich werden wieder reihenweise weiße Frauen von Migranten hingeschlachtet. Das tun sie übrigens weil, wer flüchtet auch Frauen tötet. Das weiß man aber.

Venezuela hält her, damit die fleischgewordene Weltgewandheit, Elsässer, das imperialistische Gebaren der USA einmal extrem sprunghaft und oberflächlich skizzieren kann. Es liest sich ein bisschen, wie wenn ein Buch zum Thema von Peter Scholl-Latour eine Vollmilchschokolade ist, die laut Etikett „Spuren von Nüssen“ enthalten kann und Herr Elsässer sich für seinen Artikel nur die Nüsse herausgepickt hätte.

Es gibt Berichte von kriminellen Banden in Salvador, kriminellen Banden, die zur Mafia wurden, als historischen Rückblick (natürlich sind sie vor allem in Ländern in die sie mal fliehen mussten kriminell geworden, bevor sie zurückkamen), von der kriminellen Bande vom Verfassungsschutz und als besonderes kleines Schmankerl noch einen tiefenpsychologischen Einblick darüber, dass alle Linken Muttergeschädigte und traumatisierte Kriegsenkel seien. Angesichts des Werdegangs des werten Herrn Elsässers, kann man ihn vor diesem Beitrag nur dazu beglückwünschen, dass er sein gestörtes Verhältnis zu seiner gestörten Mutter überwunden hat und nun endlich frei ist um gegen die Propaganda des Imperiums vorzugehen.

Das Verfassungsschutz Gutachten zur AfD ist Teil des Plans der Eliten das deutsche Volk auszutauschen, das Wort „multikulturell“ wird superlogisch als Unsinn entlarvt und im Kulturteil lässt man sich über die Geschichte nordischen Metals aus, findet Iron Sky 2 lustig, weil es das Böse seiner Macht beraubt, darüber zu lachen (wieso böse? Die haben uns doch so schön vorm Furor eines faktenbefreiten Antifaschismus bewahrt?), und schließt das Heft mit der „Schönen des Monats“ Andrea Zürcher ab, die deutsche Schlager liebt, einen Mann und zwei Kinder hat, was deshalb so gut funktioniert, weil sie aus einer klassischen Familie kommt, mit arbeitendem Vater, hausfrauender Mutter, und sie einen starken moralischen Kompass hat - weswegen sie sich selbstredend für die AfD engagiert.

Zum Schluss was fürs Auge: „Die Schöne des Monats“ Quelle: Compact

So weit, so absehbar. Grundsätzlich erstmal das klassische Geschwurbel von rechts außen, eine Reihe legitimer Meinungen, die Menschen nunmal haben, die nicht alle vollständig falsch sind und die eine Demokratie einfach aushalten können muss. Kein ausgewiesener Rassismus, kein konkreter Antisemitismus, kein Faschismus, keine auffälligen Kollisionen mit unserem schwammigen GG Artikel 1 und, dank des intellektuellen Flachwassers in dem es sich bewegt, vor allem ungefährlich - also eigentlich alles okay.

Wie üblich für ein solches Heft, schreibt der Chef einen Eingangskommentar als Vorwort und wenn wir schon bei grüner Öko-Diktatur sind, bei Greta, beim Verfassungsschutz, bei multikulti etc., wie leitet man ein solches Sammelsurium geballter gesellschaftlicher Relevanz also ein?

Richtig:

mit der Überschrift „Zehn kleine Negerlein“...

Herzlich willkommen, liebe Freunde, zum Paradebeispiel der demagogischen Verdrehung aller Dinge.

Wir reden hier von der Märzausgabe des Jahres 2019. Irgendwann, Anfang 2013, ging es rund im deutschen Literaturbetrieb, als diverse Verlage ankündigten, böse Worte wie „Neger“ aus Kinderbüchern zu streichen. Der Aufschrei war groß und die Granden der Systempresse waren sich quer durch die Bank einig darüber, dass das ein absolut unverhältnismäßiger Übergriff fanatischer Tugendwächter auf ein schützenswertes Kulturgut sei. Heute, sechs (!!!) Jahre später, nimmt Signore geschmiedet-aus-Erz-wirtschaftlicher-und-geistiger-Unabhängigkeit Elsässer sich also dieses Themas an. Aufgehängt ist der Artikel am alten Zählreim „10 kleine Negerlein“ und alles, was folgt, ist speziell:

An und für sich ist dieses Kinderliedchen ja mehr oder weniger eine niedliche Tugendfabel, entstanden jedoch, vor einem ganz und gar nicht niedlichen Kolonialismus, der sich auch nicht zu schade war, diese Negerlein in zoogleichen Völkerschauen als unterentwickelte Vormenschen auszustellen. Herr Elsässer meint jedoch, und nach meinem Empfinden völlig zurecht, dass das den Kindern heute völlig Wurscht wäre, da dieses Lied viel weniger dazu anstiftet auf diese „fremdartigen Gesellen“ herabzublicken, sondern vielmehr, sich mit ihnen und ihren Ungeschicktheiten zu identifizieren - wenn da nicht das „fremdartig“ wäre. Negerlein sind also eine fremde Art und keine Menschen? An sich, ist es verlockend, das einfach anzunehmen. Wie gerne würde ich mich einfach als eine andere Art als Herr Elsässer betrachten und jede Verantwortung dafür, was seine Art so treibt, abgeben, doch widerspricht uns da die Taxonomie... Ich habe es bis hierher vermieden und sage nun, da die Biologie mich zwingt: Nazikram.

Im „Zeitalter politisch korrekter Säuberungen“ ist es nämlich nur noch „Migranten aller Couleur in deren Gangsta-Rap“ erlaubt Gewaltfantasien gegen alles Mögliche auszuleben. Gut, dass Grandmaster E tief genug in die Subkultur des deutschen Hip Hops verstrickt ist, um zu wissen, dass es keinen weißen Gangsta-Rap gibt. Ich sag’s mal vorsichtig: Nazikram.

Nun, stellt unser geschmiedetes Schwert also bedauernd fest, dass niemand mehr 10 kleine Negerlein singen dürfe, was falsch ist. Ein zum Anstand erzogener Erwachsener tut es einfach nicht; Nazis hingegen könnten sich nun in ihrem Wortschatz eingeschränkt fühlen - was sie aber nicht werden. Man darf sowohl Neger als auch Negerlein sagen. Als anständiger Mensch tut man das aber nicht, denn, und jetzt hole ich Platons Politeia aus der Mottenkiste:

„Und solche [wohlerzogenen] Menschen finden dann auch jene so nebensächlich scheinenden Anstandsregeln heraus, die ihre Vorfahren alle verloren haben [...]

Das alles gesetzlich festzuhalten, halte ich für einfältig. Solche Gesetze könnte man gar nicht in Wort und Schrift fassen, und wenn, dann hätten sie keinen Bestand.

Andernfalls werden sie ihr Leben lang viele derartige Gesetze geben und wieder verbessern und glauben, damit das Glück zu erhaschen!“

Eingeordnet ins Gesamtwerk zielt dieser Abschnitt darauf ab, dass jede Demokratie früher oder später selbstsüchtige Arschlöcher ohne jeden Anstand hervorbringt und sobald es nicht mehr möglich ist, sie als anständige Gesellschaft zu übertönen, immer mehr Gesetze erlassen werden müssen, um sie einzudämmen. Wenn es jedoch einmal soweit gekommen ist, ist die Gesellschaft unheilbar krank und der Weg in die Tyrannis unabwendbar. Die letzten 2.500 Jahre hatte er damit so unendlich oft recht, dass einem vor den enthemmten Hasspredigern im fadenscheinigen Lumpensack der „political incorrectness“ ganz übel werden kann.

Auch wenn die Kausalität nicht 100%ig nachvollziehbar ist, so ist es doch ein sich geschichtlich immer wieder bestätigender Fakt, dass das Verbot von unangemessenen Umgangsformen schlussendlich die eingestandene Kapitulation vor der kommenden Tyrannis ist.

Es gibt unzählige Situationen (wie zum Beispiel den vorliegenden Text) in denen die Verwendung des Wortes Neger von anständigen Menschen ohne jede beleidigende Anhaftung auskommt, und (immer noch Platon) „es ist unwürdig, Männern von Charakter darüber Aufträge zu geben; denn das meiste von dem, was man gesetzlich regeln müßte, finden sie leicht selbst.“

Begeben wir uns also von den höchsten Gipfeln des menschlichen Intellekts wieder auf den langen, langen, langen Abstieg zum geschätzten Herrn Souveränität und bringen diese hässliche Sache hier langsam mal zum Ende.

Der bedauert nämlich unterdessen, dass ein Buch von Agatha Christie mit ebenjenem (10 Negerlein) Titel zu einer „sprachlichen Missgeburt“ umbenannt wurde. Missgeburt; auch eines jener Worte, die man jederzeit sagen darf, die sich vor dem Hintergrund einer minimalen Kultivierung jedoch von selbst verbieten, die man hier im Sinne wohlgesetzter Polemik vielleicht auch einfach trotzdem annehmen kann.

Er findet es absurd, dass in Twains „Tom Sawyer“ das überaus häufig verwendete Wort Nigger vollständig durch Sklave ersetzt werden sollte. Was ich genau so wie er und übrigens auch der überwältigende Anteil des deutschen Literaturbetriebes als Unding empfinde - weswegen das meines Wissens nach nicht stattgefunden hat. Wobei ich unsicher bin, warum der feine Herr ausgerechnet Mark Twain lesen sollte, der in seiner „Reise durch Deutschland“ im zum Brüllen komischen Kapitel „Die Schreckliche Deutsche Sprache“ zum Beispiel schreibt:

„Man betrachte nun das Adjektiv. Hier lag ein Fall vor, wo Einfachheit ein Vorteil gewesen wäre; deshalb und aus keinem anderen Grunde hat der Erfinder dieser Sprache es so sehr kompliziert, wie er nur konnte. [...] Wenn ein Deutscher ein Adjektiv in die Hände kriegt, dekliniert er es und dekliniert es immer weiter, bis der gesunde Menschenverstand ganz und gar herausdekliniert ist. [...] Nun lasse man den Irrenhauskandidaten versuchen, diese Variationen auswendig zu lernen, und sehe zu, wie er bald aufgenommen wird. Man möchte in Deutschland lieber ohne Freunde auskommen, als sich ihretwegen alle diese Mühe zu machen.“

Einige Seiten später fasst er gar zusammen:

„Meine philologischen Studien haben mich davon überzeugt, dass ein begabter Mann Englisch (ausgenommen Rechtschreibung und Aussprache) in dreißig Stunden lernen kann, Französisch in dreißig Tagen und Deutsch in dreißig Jahren. Es liegt also auf der Hand, dass die letztgenannte Sprache gestutzt und ausgebessert werden muss. Wenn sie so bleiben sollte, wie sie ist, müsste man sie sanft und ehrerbietig bei den toten Sprachen absetzen, denn nur die Toten haben Zeit, sie zu lernen.“

Hier wird also nicht nur Mark Twain zur Rechtfertigung bestenfalls dürftig verhohlenen Nazikrams missbraucht, sondern das auch in offenkundiger Unkenntnis seines Werkes, da er sich als letzter dafür einspannen lässt, die deutsche Sprache in irgendeiner Form zu konservieren.

Ich glaube mittlerweile in der Welt von Herrn Elsässer gilt Klappentexte lesen als Bücher lesen und das fehlverstandene Nachplappern der Erkenntnisse anderer Leute als Bildung.

Wer sich gerne ernsthaft mit der Kritik an dieser Verfälschung unseres Kulturgutes befassen möchte, dem seien Artikel der Systemmedien, wie beispielsweise der Zeit (hier, oder hier) nahegelegt. Deren Kritik fällt nämlich deutlich fundierter und umfangreicher aus, schafft das aber im Gegensatz zur COMPACT ohne jeden Nazikram. Die verlinkten Artikel sind auch insofern hochinteressant, da sie von 2013 sind, also einer Zeit, vor Pegida und der AfD, einer Zeit, bevor die Neonazis mit ihrer man-dürfe-nichts-mehr-sagen-Lüge jede Kritik an Dingen, die schieflaufen, mit ihrem braunen Gift kontaminiert haben und es auf diese Art und Weise tatsächlich geschafft haben, Denkverbote zu konstruieren, da niemand es mehr riskieren will, Wasser in die Mühlen des braunen Mobs zu gießen. Das hat nichts mit grüner Gesinnungsdiktatur zu tun, sondern damit, dass wer Deutschland liebt, braunen Brandstiftern auf keinen Fall Zündstoff liefern will. Ich selber habe mich bis 2014 ausgiebig, auch schriftlich, über die Bekacktheit der Grünen ausgelassen, ebenso wie über einen bedenklichen Filz bei den öffentlich-rechtlichen oder die Korruption der Union. Heute geht das so nicht mehr, denn wenn ich die Wahl zwischen der Grünen Öko-Diktatur und dem Vierten Reich habe, dann brauche ich keine Sekunde überlegen, was mir lieber ist. Herr Elsässer selbst würde das wohl als „Treppenwitz der Geschichte“ bezeichnen...

Derweil fragt sich unser Cheflinguist, sechs Jahre, nachdem das ein Thema war, ob der von seiner Bagage immer weiter zugespitzte Wahnsinn denn noch auszuhalten sei. Den kalten Negerentzug kompensiert er zum Glück indem er „einmal die Woche“ (er hat’s echt nötig) alte Folgen von Harald Schmidt auf YouTube schaut, in denen der „köstliche Negergeschichten aus seiner Zeit als Messdiener zum besten gibt“. Was er als - im Sinne Platons vermutlich: „Mann von Charakter“, auch ungehindert tun darf. Gleichzeitig ist gerade er ein ganz wunderbares Beispiel dafür, dass manche Dinge eben manchmal nicht mehr zeitgemäß sind.

Und so möchte ich meine kleine Magazinanalyse mit den abschließenden und in keinster Weise von mir verfälschten Worten aus Chefredakteur Jürgen Elsässers kleinem Vorwort beenden:

„…ich selbst verwende das N-Wort so oft wie möglich und bestätige mir dadurch, dass ich noch bei Trost bin. Haben Sie einen besseren Tipp?“

Nö. Seh ich genau so.

Nazi.

Nazi, Nazi, Nazi.

Danke.

Schmutz für die Welt✊🏽

(2019)

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